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Kinder und Jugend

jugendEine Stadt für Kinder – Lebensräume schaffen

Zentrale Forderungen:

  1. Entwicklung von Qualitätsstandards zum Kindesschutz
  2. Überprüfung der personellen Ausstattung der Jugendhilfe
  3. Intensivierung der Vernetzung Jugendhilfe und Schule
  4. Zielgerichtete Ausrichtung der städtischen Offenen Kinder- und Jugendarbeit
  5. (Lebens-) Raum für Kinder und Jugendliche
  6. Beteiligung fordern – Demokratie leben

Immer mehr Eltern und Alleinerziehende müssen sich mit veränderten Lebenslagen – finanziellen Belastungen, einem schwierigen Berufsalltag oder auch Suchtproblemen auseinandersetzen –  extreme Belastungen für Familien, die verstärkt zu Desorientierung und Erziehungsproblemen führen. Sozial unsichere Lebenssituationen bergen vor allem für Kinder unschätzbare Risiken.

Wir wollen ein umfangreiches Jugendhilfeangebot in Soest: Die Jugendhilfe des Allgemeinen Sozialen Dienstes  und der freien Träger der Jugendhilfe müssen durch weitere überregionale Angebote unterstützt werden.

Das Jugendamt tritt immer häufiger in seiner Wächterfunktion in den Vordergrund – ein ständiger Spagat zwischen Kontrolle und Hilfe, der ein Konzept mit verschiedenen Vorgehensweisen erfordert:

Eine präventive Maßnahme der Jugendhilfe ist bereits 2008 vorgestellt worden. Innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt erhalten Eltern ein Willkommenspaket. Dazu bietet der Besuchsdienst Beratung in Sachen Erziehung, Gesundheit und Ernährung an – ein kompetentes Angebot für Eltern in problematischen familiären Situationen, das Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Familien schafft und weiter ausgebaut werden muss.

Wir setzen uns für eine verstärkte Vernetzung von Jugendhilfe und Schule ein, um die Hilfen in den Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen zurückzuführen: Hilfe muss in der Schule stattfinden. Kinder- und  Jugendarbeit müssen die veränderte Tagesstruktur und das Freizeitverhalten berücksichtigen und die Kinder und Jugendlichen auch in der Schule aufsuchen.

Darüber hinaus muss der  öffentliche  Lebensraum für Kinder und Jugendliche in Soest ausgebaut und nach den Bedürfnissen der verschiedenen Altersgruppen gestaltet werden.

Schließlich sollte die Stadt Soest einen Kinder- und Jugendbeauftragten und ein Kinder- und Jugendparlament einrichten – damit unsere Kinder Demokratie lernen können.

1. Entwicklung von Qualitätsstandards zum Kindesschutz

Wir GRÜNE in Soest fordern die Entwicklung von weiterführenden Qualitätsstandards zum Kinderschutz. „Prävention vor Intervention“ soll Familien frühzeitige Hilfsangebote anbieten, zu einer geradlinigen Entwicklungsmöglichkeit der betroffenen Kinder und Jugendlichen beitragen  und die Anzahl kostspielige Interventionsmaßnahmen verringern. Dafür müssen wir neue qualitative Standards entwickeln – gemeinsam mit allen Akteuren der Jugendhilfe  (Kindergärten, Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen) und den Schulen, gesteuert vom Bereich Jugend der Stadt Soest. Die Entwicklung eines umfassenden Konzeptes zum Kindesschutz fordert umfangreiche Kenntnisse über die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und ihrer Eltern sowie deren Lebenswirklichkeit. Die  Abstimmung zwischen den verschiedenen Trägern soll diese Kenntnisse zusammentragen und Zielaussagen zu einer vernetzten Jugendhilfe formulieren. Die daraus entstehenden Qualitätsstandards dienen der Transparenz und Orientierung der Bürger und bieten Sicherheit im Umgang mit Hilfen.

2. Überprüfung der personellen Ausstattung der Jugendhilfe

Der Allgemeine Soziale Dienst in Soest braucht mehr Personal – so lautet das Ergebnis einer Untersuchung des Gemeindeprüfungsamtes, nach der nun zusätzliche Stellen für  Sozialpädagogen in der Jugendhilfe eingerichtet werden sollen. Für die Berechnung der optimalen Personalstärke sind tiefergehende Bemessungsindikatoren erforderlich. Aufgrund steigender Fallzahlen, veränderten Arbeitsbedingungen sowie einer extremen thematischen Breite der Jugendhilfe muss die personelle Ausstattung laufend überprüft werden.

3. Intensivierung der Vernetzung Jugendhilfe und Schule

Die Vernetzung von Jugendhilfe und Schule bietet gerade Kindern die Chance auf gezielte Förderung und Hilfe in ihrem gewohnten Lebensumfeld. Dazu ist es notwendig, das pädagogische Handeln der Tagesgruppen mit dem  Konzept der Betreuungsgruppen bzw. der Offenen Ganztagsschulen in Soest abzustimmen und Hilfen möglichst vor Ort zu installieren. Die umfassende Kenntnis über die Problematik von Familien führt zu passgerechten Hilfen und verhindert nicht abgestimmte und parallel verlaufende  Betreuungs- und Hilfeketten. Ziel ist es die Angebote der Jugendhilfe an den Orten zu installieren, an denen der Hilfebedarf entsteht: in Soester Familie und Schulen.

4. Zielgerichtete Ausrichtung der städtischen Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Immer häufiger verbringen Kinder einen Teil ihrer Freizeit in betreuten Angeboten (OGGS, Tagesmütter, freie Betreuungsgruppen). Die inhaltliche Ausrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit muss sich dieser veränderten Lebenssituation von Kinder und Jugendlichen anpassen. An einem gemeinsamen Schulhof und Spielplatz gelegen, liegt die Kooperation des Wiesentreffs mit der  Wiesenschule als Offener Ganztagsschule nahe. Der Ausbau des Nachmittagskonzeptes der OGGS Wiesenschule in Kooperation mit der Diakonie als Träger  und dem Wiesentreff bietet den Kindern der Nachbarschaft aus dem Betreuungskonzept heraus die Teilnahme an einem breit gefächerten Angebot durch alle Kooperationspartner. Eine wirkungsvolle Vernetzung bietet der Schule einen weiteren Gestaltungsraum für die Arbeit mit Kindern, der OGGS eine erweiterte Angebotspalette sowie räumliche Alternativen und dem Kinder – und Jugendtreff ein frühzeitiges Kennenlernen ihrer künftigen Besucher. Nach der Umsetzung sollte das Vorgehen ausgewertet und gegebenenfalls auf weitere Einrichtungen übertragen werden.

5. (Lebens-) Raum für Kinder und Jugendliche

Der öffentliche Raum als Spiel- und Erfahrungsraum für Kinder- und Jugendliche spiegelt sich in der Vielzahl bedarfsorientierter Spielplätze in Soest. Das weiterführende Angebot der offenen Jugendarbeit ergänzt sowohl von städtischer Seite als auch von Seiten der freien und kirchlichen Träger das Angebot für Jugendliche. Die Einrichtung von weiteren Spielstraßen für Kinder- und Jugendliche als Spielraum ist gerade im Hinblick auf die Bewegungsangebote für Kinder wichtig. Flächen zum Fahrradfahren, Inlineskaten oder Ballspielen im Alltag bieten unseren Kindern Anreiz ihren Bewegungsdrang zu erproben und auszuleben. Eltern benötigen die Sicherheit, ihre Kinder sorgenfrei auf die Straße zu lassen. Autofahrer benötige einen deutlichen Hinweis auf den Vorrang spielender Kinder in Wohngebieten. So wollen wir gerade die neuen Wohngebiete „An der Schledde“, „Am Ardey“ und am „Steenstraeter Weg“ in diese Richtung ausstatten.

Die Nutzung von Spielplätzen durch Jugendliche birgt häufig Konfliktpotenzial, da die Ausstattung sich häufig an die Bedürfnisse der Kinder richtet. Eine veränderte Ausstattung der  Spielplätze oder die Einrichtung von Jugendplätzen vermeidet Konflikte und bietet jungen Menschen Aufenthalts- und Bewegungsmöglichkeit im öffentlichen Raum. Öffentliche Plätze mit Multifunktionsspielflächen (Basketball- und Fußballkäfig), kleine Hindernisse und Schikanen für Skater, und jugendgerechte Sitzmöglichkeiten bieten jungen Menschen frei verfügbare Aufenthalts- und Bewegungsmöglichkeiten. Denkbare Standorte im Stadtpark, am Jahnstadion bzw. die Überarbeitung und der Ausbau der Spielplätze an der Schüngelgasse und am Lendringser Weg bieten Flächen und Grundlagen für Jugendspielplätze.

6. Beteiligung fördern – Demokratie leben

Immer wieder haben die GRÜNEN mehr Möglichkeiten zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Soest eingefordert. Dieses Anliegen, das Demokratie einüben hilft, wollen wir mit einem Kinder- und Jugendbeauftragten umsetzen. Die Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlaments soll an die Funktion des Kinder- und Jugendbeauftragten angebunden werden. Junge Menschen erhalten so die Chance, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen und Demokratie zu lernen.